Klebebinden

Beim Klebebinden werden Bogen oder Blätter am Blockrücken durch Klebstoffauftrag unlösbar miteinander verbunden.

Der Begriff Klebebindung beschreibt einen Herstellungsprozess in der buchbinderischen Weiterverarbeitung zur Herstellung von Broschuren oder Buchblöcken. Bei der Broschurenherstellung wird ein bereits vollständiges Erzeugnis angefertigt, das sich in einem verkaufsfähigen Zustand befindet. Bei der Buchblockherstellung wird ein Zwischenprodukt geschaffen, welches in weiteren Ver- und Bearbeitungsschritten u. a. mit Kapitalband und einer Buchdecke versehen wird. Das Ergebnis ist ein Buch.

Die Klebebindung wurde erstmals durch Emil Lumbeck ausgeführt. In älteren Quellen ist daher das Verfahren der Klebebindung auch als "lumbecken" bezeichnet. Aufgrund seiner Einfachheit und der Schnelligkeit der Ausführung setzte es sich mehr und mehr in der Industrie durch, so dass es sich zum heute führenden und am meisten eingesetzten Verfahren in der buchbinderischen Weiterverarbeitung entwickelt hat. Andere Gründe sind die Möglichkeit der Automatisierung des Prozesses sowie die niedrigen Verarbeitungskosten, auf die die Betriebe in Zeiten des ständig stärker werdenden Wettbewerbs besonders Wert legen, um Aufträge zu gewinnen.

Ursprünglich wurde beim Klebebinden der gesamte Bundsteg entfernt und die dann freiliegenden Blätter mit einem Film aus Klebstoff miteinander verbunden. In der Zwischenzeit werden auch Verfahren angewendet, bei denen der Bundsteg nur teilweise zerstört wird.

Nach der (teilweisen) Entfernung des Bundstegs werden die nun freiliegenden Blätter durch verschiedene weitere Arbeitsschritte wie z. B. Kerben und Feinkerben durch Werkzeuge so bearbeitet, dass die Oberfläche für den Klebstoffauftrag vergrößert wird. Bei Broschuren erfolgt nach diesen Arbeitsschritten und dem Klebstoffauftrag das Anbringen des Umschlags. Bei einer geplanten Weiterverarbeitung zu einem Buch mit Buchdecke (Hardcover) wird anstelle des Umschlags ein Fälzelstreifen angebracht.

Für die Klebebindung kommen sowohl wasserbasierte als auch Schmelzklebstoffe zur Anwendung. Lösemittelbasierte Klebstoffe werden für Klebebindungen nicht angewendet.

Zur Ermittlung der Festigkeit der Klebebindung wird der Pulltest eingesetzt. Bei diesem zerstörenden Prüfverfahren wird durch ein Messgerät ein Blatt senkrecht zum Blockrücken mit einer Kraft belastet und die für das Ausreißen des Blattes benötigte Kraft bestimmt. Die Kraft wird durch die Rückenlänge geteilt, sodass die Blattausreißkraft in N/cm angegeben wird. Zur Beurteilung der Qualität der Klebebindung bestehen Vorgaben durch den Bundesverband Druck und Medien e. V. (bvdm), die nach Dispersions- und Heißschmelzklebstoffe unterschieden wird.

Das Akkreditierte Prüflabor Druckqualität und Weiterverarbeitung des Sächsischen Instituts für die Druckindustrie bietet im Rahmen seines Dienstleistungsangebots die Prüfung der Blattausreißfestigkeit für die Qualitätsbestimmung von Klebebindungen an. Die Prüfungen werden mit einem BIND CONTROL der PITSID Polygraphisch innovative Technik GmbH, einem Schwesterunternehmen des Sächsischen Instituts für die Druckindustrie durchgeführt.