Leipziger Industrieforschungsinstitute vorgestellt – Teil 1


 
Veröffentlicht am:
12.03.2018

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IM DIENSTE DER DRUCKINDUSTRIE

Auf dem Sächsischen Innovationstag am 26. Oktober 2017 haben die sächsischen IHKs und die Sächsische Industrie forschungsgemeinschaft (SIG) einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Das IHK Magazin stellt die drei hiesigen Vereinsmitglieder der SIG vor. Den Auftakt macht in dieser Ausgabe das Sächsische Institut für die Druckindustrie (SID).
 
Wissen ist Macht. Gepaart mit seiner praktischen Anwendung ist es nahezu unschlagbar. Das SID in Leipzig ist lebendiger Beweis für diese Erkenntnis. 1993 gegründet – sind heute 25 Ingenieure und Wissenschaftler dabei, ihr Können für die Praxis nutzbar zu machen. „Wir unterstützen Firmen der Druckbranche und Maschinen-Hersteller, ihre Arbeit effizienter und qualitativ besser in den Griff zu bekommen“, sagt Dr. Jürgen Stopporka. Im Unterschied zu anderen Forschungseinrichtungen „sind wir besonders industrienah“, fügt der SID Geschäftsführer hinzu.

Das ist kein Wunder, denn hervorgegangen ist sein Institut aus dem Forschungs- und Entwicklungs(F&E) Bereich des früheren POLYGRAPH Kombinates, das seinen Stammsitz in Leipzig hatte. In ihm waren acht Betriebe des papierverarbeitenden Maschinenbaus in der gesamten DDR vereinigt, mit insgesamt 16 000 Beschäftigten. „Namhafte Vertreter der Druck und Medienbranche aus Ost und West haben sich nach der Wende zusammengefunden und den Trägerverein POLYGRAPH Leipzig e. V. ins Leben gerufen, der das SID bis heute betreibt“, erzählt der 61 Jährige, der nach seiner Lehre zum Offset drucker an der TH Chemnitz studierte. „Neben der Bearbeitung industrienaher F&E Projekte ist unser Arbeitsschwerpunkt, unser Know how den Firmen passgerecht zur Verfügung zu stellen. Wir betreiben im besten Sinne des Wortes Technologietransfer“, erklärt er. Dabei gehe es zum Beispiel um Analyse und Messtechnik. „Oder etwa um eine Technologie zur Druckwalzeneinstellung, die wir entwickelt haben. Sie findet weltweit in Druckmaschinen ihren Einsatz“, sagt Dr. Stopporka stolz. Am Ende stehe immer die „Verwertung“ von F&E-Ideen im Fokus. „Natürlich kommen auch Betriebe mit ihren Problemen zu uns.“ So wie ein deutsches Unternehmen, das Glühlampen für die Autoindustrie fertigt. Da sei es um die Beschriftung gegangen und um eine farbige Beschichtung des Glaskörpers. „Die Firma wollte das bisherige Tauchverfahren durch Digitaltechnik ersetzen. Wir mussten also eine völlig neue Lösung für dreidimensionalen Druck finden – mit Erfolg“, fügt der promovierte Drucktechniker schmunzelnd hinzu.

Von Joghurtbechern bis hin zu Bausteinen

Die täglichen Herausforderungen werden nach seiner Ansicht zunehmend vielfältiger. Joghurtbecher mit zig verschiedenen Sorten gelte es etwa zu bedrucken, dazu möglichst noch in Frühlings- und Weihnachtsversionen. Das beeinflusse die Produktionsstrukturen und abläufe, denn die einzelnen Druckauflagen werden dadurch immer kleiner. „Auch die Vielfalt der verwendeten Materialien nimmt ständig zu“, so Dr. Stopporka. „Und je des Mal kommt es aufs Neue darauf an, es zu schaffen, dass die Qualität passt, die Farbe hält, abriebfest bleibt und bei Bausteinen beispielsweise für Kinder auch nicht gesundheitsschädigend ist.“ Der industrielle Bereich habe für das SID an Bedeutung gewonnen. Das Institut untersucht in seinen Prüflaboren beispielsweise die ökologische Güte der Farben ihre Sicherheit gerade mit Blick auf Kinder- oder Lebensmittelkontakt. Hinzu kommt beispielsweise Messtechnik zur Qualitätskontrolle und -sicherung, zur Feststellung der Lackschichtdicke, zur Justierung von Maschinen, zur Überwachung von Produktionsprozessen. Gerade bei den Fertigungsabläufen in Druckereien sei die Automatisierung in einem enormen Tempo vorangeschritten. Mit der Folge, dass die Anforderungen „an unsere Mess geräte deutlich gestiegen sind“, sagt Dr. Stopporka.

Das Institut ist das einzige der Drucksparte in Sachsen und eines von zweien in Deutschland. Trotz des Alleinstellungsmerkmals ist der Technologietransfer für das SID gar nicht so leicht zu organisieren. Aber das inzwischen geschaffene Netzwerk der Branche hilft hier ein ganzes Stück weiter. Als 100-prozentige Tochter des Vereins POLYGRAPH Leipzig pflegen sie rege Kontakte zur Praxis. Und das 1999 gegründete Schwesterunternehmen Polygraphische innovative Technik Leipzig GmbH (PITSID) setzt die Forschungsideen in handfeste Produkte um. Vor anderthalb Jahren zum Beispiel lief die Serienproduktion der neuen Offset-Druckplatten Biegemaschine an. „Passgenauigkeit im Mikrometerbereich ist hier gefragt“, betont der Institutschef.

Dr. Ulrich Langer

DREI FRAGEN AN DR. JÜRGEN STOPPORKA

Leipzig ist früher eine Hochburg der polygraphischen Industrie und des Maschinenbaus gewesen. Nach der Wende hat ein scharfer Umbruch stattgefunden. Wie spürt SID diese Einschnitte?

Dr. Jürgen Stopporka: Uns sind natürlich viele ehemalige Kunden verloren gegangen. Ich denke nur an das Buchbindereimaschinenwerk in Leipzig und das hiesige Druckmaschinenwerk. Aber auch Plamag-Plauen und viele andere der Branche im Osten sind leider von der Bildfläche ver schwunden.

Ist nun das Schlimmste vorbei?

Dr. Jürgen Stopporka: Der Schrumpfungsprozess in der Branche geht weiter. Noch nicht allzu lange her ist das Aus des Leipziger Postpress-Werks von Heidelberger Druck. Zwar gibt es derzeit in Deutschland noch 8 000 Druckbetriebe, die für uns im Prinzip auch als Kunden infrage kommen. Allerdings haben 85 Prozent von ihnen weniger als zehn Mitarbeiter. Da dürfte das Budget für F&E oder Investitionen begrenzt sein.

Sieht die Zukunft von SID also düster aus?

Dr. Jürgen Stopporka: Ganz und gar nicht. Da wir seit jeher sehr praxisorien tiert sind, verfügen wir über tolle Kon takte zur Branche. Allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda haben wir uns einen guten Kundenstamm erarbeitet. Zudem sind wir in Verbänden aktiv, pflegen unseren Internetauftritt, beteiligen uns an verschiedenen Arbeitskreisen, treten auf Forschungskonferenzen auf – zum Beispiel beim jährlichen Gutenberg Symposium in Leipzig, das inzwischen aber in Innoprint umbenannt wurde. Vor allem haben wir neue zusätzliche Geschäftsfelder erschlossen. Wir befassen uns heute neben den klassischen Offsetdruckanwendungen mit Flexodruckapplikationen, Digitaldruck und zunehmend auch mit dem industriellen Druck. All diese Aktionen haben unseren Bekanntheitsgrad so erhöht, dass wir viele neue Kunden gewinnen konnten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Ulrich Langer

Quelle: IHK Leipzig

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